Fünf Stunden quälende Busfahrt, durch den Hohen Atlas bis nach Ouarzazate. Dort gegen Abend (21 Uhr) angekommen, sind wir ins erste Hotel reinspaziert und dann für 5 Euro inkl. warmem Wasser (nachdem wir bei 7 Euro angefangen hatten) gebucht. Gleich danach machten wir uns auf den Weg irgendetwas zu finden, wo man gut Essen kann. Und während wir so durch Ouarzazate irrten trafen wir auf John (oder er auf uns). Ein Umstand der unsere Reise stark beeinflussen sollte. John ist Brite, aus Gibraltar, der sich in Ouarzazate niedergelassen hatte.
Er überzeugte uns, mit ihm und seinem Freund Mohamed mitzugehen (wir überlegten ein wenig) in einen Shop, um dort Tajine zu kochen. Ich denke ich stimmte nur zu, weil er so europäisch schien (blond, zotteling, bärtig…),aber ich bin bis heute nicht sicher, ob ich mich über die Entscheidung einfach nur freuen oder ärgern sollte.
So stiegen wir in seinen alten staubroten Renault Clio (Baureihe 1 denke ich) und fuhren ans andere Ende der Stadt in einen Shop, wo grad „Hamid“ arbeitete. Es tauchten viele Araber auf, jeder kannte jeden, ich kannte keinen. Ich verstand keinen. Arabisch oder französisch sind nicht so meine stärke. Aber alle waren nett, versuchten sich im Englisch und die Eindrücke von diesem Abend sind einfach einzigartig. Beim Essen ersetzte Brot Messer und Gabel und später schnappten sich viele eine Trommel oder auch eine Gitarre und es wurde gesungen und gespielt.
Das Thema M’hamid kam auf die Agenda. Dort sei ein Festival und uns wurde angeboten mit John und Mohamed am nächsten dorthin zu fahren. Ich wollte zunächst nicht. Das „Warum?“ hier zu erklären dauert zu lange. Jedenfalls nahmen wir uns fest vor, den Bus zu nehmen, um auch unabhängig zu bleiben. Blieb also noch der Vormittag in Ouarzazate… wir suchten eigentlich nur ein Tuch für Katharina, fanden aber ihn. Die Verständigung lief in Englisch, was er erstaunlich gut konnte. Nach Safari-Tour-Angeboten, einer Runde Tee packte er seine Kiste mit Schmuck aus – und wir kauften. Obwohl ich mir vorher fest vorgenommen habe, dort kein Geld zu lassen, aber er hat es einfach zu gut gemacht.
Anschließend fuhren wir im Taxi zurück zum Hotel um unsere Rucksäcke zu holen und zum Bus zu gehen.
Tja, und wer stand wartend (bestimmt schon seit 90min) vorm Hotel im roten Clio?… Ein „Nein!“ hatten wir uns vorgenommen. Am Ende saßen wir wieder im Renault, auf dem Weg nach M’hamid. Der Weg führte uns durch landschaftliche Kulissen, an denen sich Hollywood schon mehrmals bedient hatte (Gladiator, Kingdom of Heaven, Babel….). Nach einigen Stops für Fotos, „Superglew“ (für den Außenspiegel vom Clio, und auch für den Rückspiegel), eine ominöse sechste Person und Essenskauf brach die Nacht herein, ohne das wir auch nur in der Nähe von M’hamid waren. Mohamed erklärte uns dann, dass wir jetzt zum Essen zu einem Biwak (Bivouak) fahren. Und nachdem mein Kenntnisstand der Dinge in unregelmäßigen Abständen stieg wurde ich immer skeptischer. Zunächst erfuhren wir, dass es sich um Leute handelt, um die „sich der Staat nicht kümmert.“ Ok. Aber dann… der Weg: Es war schon 23 Uhr. Das einzige Licht in der „sichtbaren“ Umgebung kam vom Vollmond. Wir fuhren auf einer der letzten Straßen durch die ersten Ausläufer der Wüste. Rechts und Links gab es nichts, nur Stein und Staub. Schließlich bogen wir irgendwo ab in die Wüste, auf Wege, die den Namen nicht verdient haben, wo Steine den Auspuff vom Clio so sehr massierten, dass er sich jeden Moment verabschieden konnte. Es gingmit ca. 10, 15 km/h weiter; ins nichts. Die ominöse Person sagte, es seinen „nur“ 6km bis zum Bivouak. Ich hatte schon ständig den Film Babel im Kopf – verloren in der Wüste. Wir waren in totaler Abhängigkeit der Leute und von diesem alten Clio. Es war klar, dass wir auch die Nacht dort verbringen werden/müssen. Zu viel. Zu krass, für mich. Das sagte ich dann auch. Einsicht machte sich breit (hier ein stark erhelltes Foto von der Situation); vor allem der Weg dorthin schien als unmöglich. Wir drehten um. Damit das Auto nicht weiter belastet wurde fuhren nur noch 2 im Auto zurück. Der Weg zurück zur eigentlichen Straße war dann richtig angenehm. Es war nicht kalt. Der Mond leuchtete und zeigte den Weg – es war ein kleiner toller Spaziergang durch die Wüste.
In M’hamid gegen Mitternacht angekommen besuchten wir das Festival. Es ist nicht zu vergleichen mit den okzidentalen. Die Frauen zum Beispiel durften nicht mitfeiern, sondern standen aufgereiht im Hintergrund. Anschließend suchten wir ein Haus auf zum Schlafen bei einer Familie. So sah es aus. Es war für mich dritte Welt, auch wenn es Orte gibt, an denen die Armut noch größer ist. Tagsüber saßen manche Kinder im Freien, während sich Fliegen in ihrem Gesicht breit machten. Aber alle Haushalte waren ausgestattet mit fließendem Wasser, wenn auch kalt und nicht im Haus, sondern davor. Die Nacht dort zu schlafen war gar kein Problem. Im Gegenteil: Mit Decken ausgestattet schliefen wir richtig gut. Einzig die Ernährung machte mir Sorgen, ist eher ein individuelles Problem von mir. So war ich dann doch erleichtert, dass die Zeit in der Wüste endlich war.
Hier zeige ich euch noch ein paar mehr Bilder aus der letzten Stadt vor der unendlichen Sahara:
Am Nachmittag ging es dann wieder zurück, zurück Richtung Norden, ein Bus bis hoch nach Rabat, in 15 Stunden. Da kommt Freude auf. Oft hielt dieser, um Anhalter mitzunehmen. Und weils oben voll war, fuhren einige auch im Kofferraum mit.



