Der Journalistik-Student , einmalige Studienwechsler und Sieger der BGW-Allstars-Saison 04/05 Stefan S. (24) studiert seit Oktober letzten Jahres fuer ein Jahr im spanischen Granada. Ich habe ihn dort getroffen und wollten mehr wissen ueber Spanien, spanisch und Erasmus.

Frage: Vermutlich haben Sie die Frage schon sehr häufig gehoert, aber ich stelle sie trotzdem noch einmal: Warum eigentlich Spanien? Warum Granada?

Schröter: Spanien stand bei mir ganz oben auf der Wunschliste, ganz einfach weil es mir klimatisch sehr gefaellt. Da koennen andere Laender einfach nicht mithalten. Ausserdem finde die Sprache sehr interessant und oeffnet mir auch eventuelle Tore Richtung Lateinamerika.

Frage: …Lateinamerika?

Schröter: Konkrete Ziele hab ich nicht, aber man weiss ja nie. Ein interessantes Reiseziel ist es allemal.

Frage: Nun reisen sie, wie ich weiss, auch viel durch Spanien. Was war denn da fuer Sie das beeindruckendste?

Schröter: Alles ist beeindruckend, eben weil es so anders (cimg3256.jpg) ist. Aber sehr interessant fand ich die Moschee in Cordoba, die Alhambra (siehe unten) und auch Formel 1 in Jerez (21.jpg), wobei das natuerlich nicht nur spanientypisch ist.

Frage: Das sind aber alles nur Orte aus Andalusien. Reisen sie denn auch mal etwas weiter?

Schröter: Spanien ist groesser als Deutschland. Bis nach Barcelona sind es 12 Stunden Busfahrt. Da sollte man schon den Flieger nehmen.
Aber jenseits von Andalusien hab ich immerhin schon Madrid (23.jpg) gesehen, auch wenn es lediglich wegen eines Fussballspiels war. Das Zeitpensum ist eben sehr begrenzt. Zum Beispiel gibt es hier nur eine vorlesungsfreie Zeit von 2 Wochen im Februar, wobei diese der Pruefungszeit entspricht.

Frage: Wie sind ihre Pruefungen gelaufen?

Schröter: Gut.

Frage: das heißt?

Schröter: Das heißt, das ich in allen fuenf Fächern „bestanden“ vorweisen kann, obwohl ich sprachlich auch heute noch sehr zu kämpfen hab mit den Professoren und erst recht mit den Andalusiern.

Frage: Und wie verlaeuft der Kampf?

Schröter: Es ist kein Kampf in dem Sinne, sondern die tägliche Gewissheit, dass man noch Meilen entfernt ist von einem normalen Gebrauch der spanischen Sprache, aber rückblickend doch feststellen kann, welch erstaunliches Wachstum das Sprachpensum innerhalb weniger Monate vollziehen kann.

Frage: Wie schwer fiel es Ihnen, dass Semester mit diesem Ergebnis zu Ende zu bringen?

Schröter: Ganz unterschiedlich. Jede Woche gibt es stets viele Übungen und Texte zu lesen. Darunter auch deutsche Autoren, wie zum Beispiel Otto Kirchheimer . Solche Texte waren lange Zeit eine Qual und bereiten auch heute noch keine Freude, aber sie haben einen Vorteil: Sie erweitern den eigenen Wortschatz sehr schnell - vorausgesetzt, man liest entsprechend gewissenhaft.

Frage: Fuehlen sie sich durch ihre Sprachbehinderung bevorteilt?

Schröter: Einige Professoren nehmen Rücksicht, zumindest im Unterricht. Das müssen sie auch, denn teilweise sind 90% der Studenten einer Veranstaltung Erasmusler.
Was die Klausuren betrifft, so kann ich das nicht genau beantworten. Das Gefühl, bevorteiligt geworden zu sein, hatte ich bisher nicht. Im Gegenteil. Nachdem ich im November erstmal ordentlich durch eine Klausur gerasselt bin, hab ich mich ab Mitte Januar hingesetzt und gelernt und erst wieder am 6. Februar damit aufgehoert. Wie Erasmus hat sich das nicht angefuehlt.

Frage: Was fuehlt sich denn an wie Erasmus?

Schröter: Oh man, da hab ich was gesagt.
Natuerlich ist es fuer mich nicht das Internationale Nichtstun, aber eine gepflegte Mischung aus Party und Uni, wobei ich jetzt keine Prozente verteilen werde, und das mit Leuten aus aller Welt, das ist fuer mich Erasmus.

Frage: Und das alles haben sie?

Schröter: Das Party-Uni-Verhältnis könnte sich noch ein bisschen Richtung Party verschieben, aber ansonsten bin ich voll zufrieden, zumal ich auch den Kontakt zu nicht-deutschsprachigen Pflege und das nicht nur weil ich es sollte, sondern weil ich es will. Anfangs war das sehr frustierend, weil ich sehr viele Sachen im Kopf hatte (Anstöße, Witze…), aber das einfach nicht ausdrücken konnte. Heute sieht das schon ganz anders aus. Ich wusste von vornherein, dass ich studientechnisch eher kleinere Brötchen backen werden wuerde - am Ende sind es nur Toastbrotscheiben getraenkt mit Olivenöl. Das ist der Grund weswegen ich („wenigstens“) soviel wie möglich von der Sprache mitnehmen will.

Frage: Wuerden Sie „ERASMUS“ weiterempfehlen?

Schröter: Ich wusste, dass die Frage kommt, deswegen ist meine Antwort eindeutig: auf jeden Fall! Man wird offener im Kopf, sieht nicht nur die eigene Nation und merkt wie wichtig Sprachen sind. Vor September hab ich das alles nicht gesehen. Wenn mir vorher jemand gesagt hat, dass er beispielsweise mit einem Franzosen zusammen gewohnt hat, hab ich das mit einem Kopfnicken beantwortet, hatte aber nicht wirklich Zugang dazu und auch kein grosses Interesse am kennenlernen. Heute finde ich ist es das tollste was einer WG passieren kann (ein paar Sprachkenntnisse vorausgesetzt) und mal schauen, ob ich sowas in Leipzig hinbekomme.